Solution Focus: The Action is in the Interaction

Teil der Lösungsfokussierten (SF) Grundhaltung ist

- Veränderung geschieht immer und überall - unsere Aufgabe ist es, nützliche Veränderungen aufzuspüren und zu erweitern.
- Ressourcen-Orientierung statt Defizit-Analyse
- Eine respektvolle, wertschätzende und kooperative Grundhaltung.
- Interaktionsperspektive (zwischen Menschen, nicht „im Inneren“ von Menschen)
- Wir behandeln jeden Fall individuell und folgen in der Entwicklung des Prozesses dem, was der Klient sagt anstatt ihn in einen theoretischen oder konzeptuellen Rahmen einzupassen

Durch die Interaktionsperspektive ist SF Coaching eine Form von systemisches Coaching, auch wenn SF keiner bestimmten Richtung von Systemdenken (Systems Thinking) anhängt, sondern nur beschreibt, was im Coaching funktioniert (hilfreich oder nützlich ist) und das dann verstärkt.

Dabei nutzt SF Coaching häufig die positive Wirkung von Feedback aus, um in kurzer Zeit aus Sicht des Klienten zum Erfolg zu kommen. (Der Klient definiert, was Erfolg bedeutet und entscheidet, wann es für ihn gut genug ist und kann somit das Coaching auch vorzeitig beenden.) Metaphern wie Solution-Surfing dienen dazu, den Effekt der verstärkenden Rückkopplung besser greifbar zu machen.

Welche Arten von positiver Rückkopplung gibt es im SF Coaching?

- positive Grundhaltung (Ressourcen-Orientierung statt Defizit-Analyse) des Coaches gegenüber dem Coachee. Dies führt zum sogenannten Rosenthal Effekt,
https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenthal-Effekt
wonach insbesondere schwache Schüler sich allein dadurch verbessern, dass der Lehrer gute Leistungen von Ihnen erwartet und sich entsprechend verhält.

- Problemsprache erzeugt Probleme, Lösungssprache erzeugt Lösungen. Dies entspringt einer konstruktivistischen Wahrnehmungstheorie, wonach wir unsere Sicht der "Wirklichkeit" (wie eine Karte zu unserer Orientierung) selber konstruieren und diese Sichtweise (Karte) maßgeblich unser Verhalten (darunter Sprechakte) beeinflussen, dessen Konsequenzen häufig wiederum nur unsere Sichtweise bestätigen sollen. Problemsprache führt daher häufig in einen fatalistischen Teufelskreis von Unterstellungen und Schuldzuweisungen - die anderen sind Schuld, was kann ich dafür? Lösungssprache dagegen zu einer offenen, optimistisch gestimmten Suche nach Lösungsansätzen, mehr Optionen, größerer Wahlfreiheit und Selbstbestimmtheit - ich kann (zusammen mit Anderen) einen Unterschied machen!

Die Dynamik beider Interventionen stellt eine Art selbsterfüllender Prophezeigung dar:

Eine selbsterfüllende Prophezeiung ist eine Vorhersage, die über direkte oder indirekte Mechanismen ihre Erfüllung selbst bewirkt. Ein wesentlicher Mechanismus ist, dass derjenige oder diejenigen, die an die Vorhersage glauben, sich so verhalten, dass sie sich erfüllt (positive Rückkopplung zwischen Erwartung und Verhalten).
https://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterf%C3%BCllende_Prophezeiung

Der Rosenthal-Effekt ist demnach nur eine Form von selbsterfüllender Prophezeiung. Daher rührt aber auch eine häufige Kritik des SF Ansatzes aufgrund des Placebo Effekts als Schein-Therapie. Ähnliche Diskussionen gibt es auch in der Medizin, über die Wirksamkeit von alternativen, ganzheitlichen Behandlungsmethoden, wie Homöopathie oder Akupunktur. Wie beim SF Coaching scheint dabei die Wirksamkeit der Intervention nicht allein im Mittel, sondern in der Art der Intervention zu liegen - die emphatische, wertschätzende Haltung des Behandelnden, ist mindestens genauso wichtig wie das Mittel!

Für mich hat dieser Streit auch viel mit dem noch vorherrschenden -westlich-kartesianisches-mechanistischen Weltbild zu tun, mit dem Bild des Menschen als komplizierte Maschine, die man reparieren kann. An dessen Stelle tritt mit und mit eine ganzheitliche, auf Wechselwirkungen beruhende Weltsicht, die ihre geistige Wurzel im Osten, insbesondere im Buddhismus hat. Aber auch in der westlichen Kultur gibt es solche Sichtweisen, wie bei dem Vorsokratiker Heraklit , dem zufolge alles im Wandel ist und sich oft zwischen zwei zusammenhängenden Gegenpolen hin und her bewegt, wie Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, etc.

Es sollte nun klarer sein, wie SF Coaching mit System Denken zusammenhängt. Jackson und McKergow untersuchen das Verhältnis dieser beiden Ansätze näher in ihrem Buch "The Solution Focus. Making Coaching and Change SIMPLE. Ihnen zufolge ist Interaktion beiden Ansätzen gemeinsam. Dabei ist SF Coaching aber näher and Komplexität- und Chaos-Theorie, als an System Dynamics, da ersteres die Rolle der Emergenz von Veränderungen betont, System Dynamics dagegen stark auf Analyse und Re-Design von Systemen, und damit dem mechanistischen Denken noch nicht ganz abgeschworen hat.